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Dienstag, 21. Oktober 2014

Gewalt in Videospielen - Wo ist die Grenze des guten Geschmacks

Im Moment wird gerade ein Trailer zu dem Spiel Hatred (zu deutsch: Hass) kontrovers diskutiert. Er zeigt einen stereotypen Amokläufer, der sich bis an die Zähne bewaffnet, mit dem Ziel wahllos so viele Zivilisten und Ordnungshüter wie möglich auf brutalste Art und Weise zu ermorden, bevor er selbst das Zeitliche segnet. Da wird einer harmlosen Frau einfach eine Pistole in den Mund geschoben und abgedrückt, Polizisten und Passanten werden erschossen und/oder mit einem Messer abgestochen und filetiert. Dabei fließt logischerweise viel Blut und es werden Körperteile abgetrennt, es ist eine ziemlich ekelhafte Gewaltorgie.
Brauchen wir echt so ein Spiel?


Wenn die Entwickler Aufmerksamkeit für ihr Spiel haben wollten, so ist ihnen das mit dem Trailer zweifelsfrei gelungen. Das Video wurde innerhalb von 5 Tagen 1.4 Millionen mal angeklickt und es wurde 17.000 mal positiv, sowie 16.000 mal negativ bewertet - ein ganz klares Indiz dafür, wie unterschiedlich die Meinungen der Zuschauer zu diesem Spiel sind.

Es ist doch nur ein Spiel

Ja. Es ist nur ein Spiel, niemand kommt zu Schaden deswegen, es werden lediglich Pixel zerlegt. Das ist soweit richtig und dieses Argument taugt Spielen wie Battlefield, Counterstrike, COD und Co. immer zur Rechtfertigung der Darstellung von Gewalt. Dennoch gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied zu Hatred und das ist die dahinterstehende Motivation, der Kontext des gewalttätigen Vorgehens.

In normalen Shootern wird immer eine Bedrohung bekämpft, es gibt einen Konflikt, der eben mit Waffengewalt gelöst wird, man meuchelt keine unbeteiligten Passanten. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Natürlich kann man konventionellen Krieg in der Realität ebenso verurteilen wie einen Amoklauf. Jedoch liegt es in der Natur des Menschen Konflikte zuweilen gewaltsam zu lösen und es gibt einen Überlebensinstinkt, der dafür sorgt, dass man sich verteidigt.

Der Protagonist bei Hatred allerdings bekämpft keine Bedrohung, er wird nicht angegriffen, es gibt keinen Konflikt. Die einzige Motivation ist purer Hass auf alles und jeden. Es ist keine Instinkthandlung wahllos Menschen zu ermorden, sondern das ist ein hochgradig krankhaftes Verhalten. Menschen, die so etwas machen sind ernsthaft psychisch gestört und brauchen Hilfe.

Spiele versus Filme und Bücher

Menschen sind in der Lage grausamste Dinge zu machen und sie tun es auch. Sei es ein Amoklauf, wie er in Hatred simuliert werden soll, oder auch Vergewaltigung von Frauen und Kindern. Ich mag mir an dieser Stelle nicht wirklich ausmalen, was Menschen sonst noch so grausames in der Vergangenheit angestellt haben und was sie in der Zukunft noch anstellen werden.

Es gibt viele Filme und auch Bücher in denen solches Verhalten sehr detailliert beschrieben und gezeigt wird. Was aber unterscheidet nun die Darstellung von solchen kranken Verhaltensweisen in Film und Literatur von der Darstellung in Spielen? Es ist die Interaktivität. Im Spiel steuere ich aktiv den Protagonisten, ich bestimme wann und wie und auf welche Art und Weise ich handle. Sehe ich eine Vergewaltigung im TV, dann finde ich das zwar abstoßend, aber ich mache es nicht selbst!

Wo liegt nun die Grenze?

Gewalt in Videospielen ist für mich immer dann in Ordnung, wenn es eine nachvollziehbare Motivation dafür gibt. Wenn ich mich in einem Shooter weigere zu schießen, dann werde ich (bzw die Figur, die ich steure) erschossen.  In der Regel sind Shooter auch mehr eine sportliche Auseinandersetzung, ein völlig harmloser Wettbewerb. Insbesondere geht es auch um Dinge wie Taktik, Strategie, Skill und oftmals Teamwork. Die Anwendung von Gewalt spielt eine untergeordnete Rolle.

Gewalttätige Konflikte gehören zum Menschsein dazu, selbst Tiere lösen oftmals Probleme mit Gewalt. Der Konsum handfester Auseinandersetzungen zur Unterhaltung ist seit jeher eine ganz normale Sache. Man denke an Gladiatorenkämpfe oder Boxkämpfe.

Ob man eine virtuelle Kriegssimulation oder ein gewalttätiges Kampfsportspiel jetzt spaßig findet oder nicht, muss jeder für sich selbst wissen, aber es ist auf keinen Fall verwerflich.

Psychisch krankhaftes Verhalten zu simulieren empfinde ich aber sehr wohl als verwerflich, insbesondere wenn es nur dem Selbstzweck dient. Gewalt um der Gewalt wegen. Ein Amoklauf oder auch eine Vergewaltigung haben für mich nichts mit Unterhaltung zu tun. Ich möchte so etwas einfach nicht "selbst tun", auch nicht in einem Videospiel!

Kommentare:

  1. Ja dieses Spiel ist wirklich krass und das nicht im positiven Sinn gesehen!
    Gewalt ist für mich in Spielen ok wenn es eine nachvollziehbare Motivation gibt aber die gibt es sind in diesem Spiel.

    Man tötet hier einfach nur zum "Spaß" Menschen was überhaupt nicht geht meiner Meinung!
    Wie man überhaupt auf so eine Idee kommen kann sowas zu entwickeln das verstehe ich wirklich nicht! Was soll einen den an einem Spiel gefallen wo ein Amoklauf zur Unterhaltung dienen soll?

    Was die Entwickler auf jeden Fall geschafft haben ist, dass sie mit diesem Spiel angeeckt sind aber das kann man auch auf andere Weise schaffen.

    Diese Spiel sollte man überhaupt nicht veröffentlichen aber in der USA ist so ein Spiel anscheinend ok!

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    1. Leider gibt es jede Menge Leute, die gar kein Problem mit dem Spiel haben. Wenn man sich die Kommentare unter so manchem Artikel zu dem Thema durchliest, kann man echt nur die Augen verdrehen. Die Entwickler haben also ganz klar einen Nerv getroffen und werden vermutlich sogar einigermaßen erfolgreich mit dem "Spiel" sein. Lieber wär's mir allerdings, wenn sie nur 5 Kopien weltweit verkaufen würden und so richtig auf die Schnauze fallen...

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  2. Ich halte von diesem Spiel gar nichts. Ich kann es einfach nicht glauben, dass eine Firma so ein Spiel überhaupt gemacht hat. Dank diesem Spiel, werden alle Zocker wieder als Amokläufer dargestellt. Das Spiel gehört in die Tonne.

    Grüße
    Tom aus der Spielelobby :-)

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